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Geschichte des Bürgerhauses

Erster bekannter Besitzer eines Hauses auf diesem Grundstück ist Albrecht Schwinge, ein Sohn des Hieronimus Schwinge aus Oldenburg und Tjade von Rhaude. Albrecht Schwinge ist ein übler Zeitgenosse, sitzt des Öfteren im Gefängnis und liegt mit der Familie zu Inn- und Knyphausen häufig im Streit. Er stirbt 1617 als Junggeselle. Gerade die Familie des Wilhelm zu Inn- und Knyphausen erbaut aber dann auf dem Grundstück um 1600 ein Haus im typischen Stil der Renaissance. Aus Prozessakten geht hervor, dass Wilhelm zu Inn- und Knyphausen vor und nach 1610 Besitzer des Hauses war. Er vermachte es seinen vier Söhnen.
Ab 1722 wechselt das Haus den Besitzer und das in den darauffolgenden Jahren mehrfach. Es beherbergt den Amtsverwalter Nordens, Dr. Hajo Laurentz Damm für eine gewisse Zeit, wird sowohl von Kaufleuten als auch von Privatpersonen bewohnt. 1864 wird von der Existenz einer zum Haus gehörenden Scheune, im Zusammenhang mit dem Verkauf an den Nachbarn Rösingh, berichtet. In den Jahren 1914 bis 1919 versucht ein Herr Rosenboom ein Lichtspieltheater in Betrieb zu nehmen und Regierungsbausekretär Albers bemüht sich 1921 vehement, in einem umfangreichen Schriftwechsel mit der Stadt Norden, um den Einbau von Zwischenwänden, um so die Zahl der Räume für seine Kinder zu vergrößern.
Aber schon 1926 kommt das Haus in den Besitz der Familie Vienna. Nach dem Tod der letzten Einwohnerin kauft der Landkreis Aurich 1994 das Haus, um es vor einem weiteren Verfall oder gar Abriss zu bewahren und stattdessen grundlegend in den darauffolgenden Jahren unter eigener Regie und mit schwieriger Finanzierung durch eigene Haushaltsmittel zu restaurieren.
Das hoch aufragende, 22 m lange und 8,20 m breite Haus liegt an einer städtebaulich exponierten Lage an der Nordseite des Marktes, Ecke Norddeicher Straße, in unmittelbarer Nähe der Ludgeri-Kirche.
Das Gebäude war umlaufend mit einem Zementputz versehen worden, hatte moderne große Fenster erhalten und in seinen Innenräumen höher gelegte Böden, eingezogene Decken, zusätzliche Schornsteine und absperrende Teerpappen gegen Feuchtigkeit erhalten.
Die Restaurierung wurde in den ersten dreieinhalb Jahren ausschließlich von kaum oder gar nicht deutschsprechenden Zuwanderern aus Weißrussland geleistet, die aus verschiedenen Berufssparten kommend, in einer Maßnahme nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG) von der Kreisvolkshochschule betreut und eingesetzt wurden. Der Zuwandererstrom aus den östlichen Ländern ließ 1997 nach, die BSHG-Gruppen wurden kleiner und so musste ab 1998 mit Unterstützung des Arbeitsamtes in mehreren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen die Restaurierung weitergeführt werden. Baumaßnahmen an der Dachkonstruktion, Klempnerarbeiten, Sandsteinarbeiten, der technische Ausbau, wurden von hiesigen Firmen ausgeführt. Die Bleiverglasung in den halbachsigen Fenstern und den Kreuzstock-Fenstern, typische Merkmale der Renaissance, wurden von einer Künstlerin aus Lettland gefertigt und von ABM-Kräften eingebaut.
Das Haus ist mit drei großen Räumen unterkellert, die mit backsteinsichtigen Wänden und Tonnengewölben umgrenzt sind. Der Fußboden ist mit großen Klosterformatsteinen gepflastert.
Im Erdgeschoss dominiert ein 100 qm und 5,10 m hoher Saal, mit einer Reihe bleiverglaster Fenster und einem neu errichteten Sandsteinkamin. Die Bodenfläche ist mit alten Tonbodenplatten ausgelegt und die 1792 abgesenkte Holzbalkendecken aus 400 Jahre alten Eichenbalken befindet sich wieder in ihrer um 50 cm höheren Position. Die Besonderheiten dieser Decke ist die sogenannte Mutter/Kind-Konstruktion (tragende Deckenbalken mit kleineren Querbalken) und aufgelegten Backsteinen als ursprünglich vorgesehener Brandschutz. Der nördliche Teil des Hauses ist zweigeschossig, mit einer Eingangssituation mit Kaminanlage und Bremer Floren ausgelegt.
Im Obergeschoss befindet sich ein großer Raum, wohl der damalige private Bereich der Familie zu Inn- und Knyphausen, mit Kaminanlage, Butzenwänden, Eichendielen und einer alten Eichenbalkendecke. Der Dachboden zeigt sich wieder in seiner vollen Raumgröße in
einer Eichenholzkonstruktion als sogenannter „liegender Dachstuhl“. Die Dachflächen erhielten wieder die ursprüngliche Dacheindeckung mit alten Tonhohlpfannen mit Muschelkalk-Verstrich.
Das Haus wird von 50 bis 70 cm dicken Umfassungswänden aus Klosterformatsteinen im Vollmauerwerk umgrenzt.
Es wurde großer Wert auf traditionelle Bauweise unter ausschließlicher Verwendung von teilweise mühevoll zusammengetragenen Klosterformatsteinen, speziell neu angefertigten Backsteinen, Muschelkalk und Eichenholz gelegt.
Das Haus wurde 2008 von der Bürgerstiftung Norden erworben. Es soll künftig der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden und dient als Bürgerhaus - Haus der Bürgerstiftung Norden der "Kultur im Bürgerhaus" mit Kleinkunstveranstaltungen, Kammerkonzerten, Dichterlesungen. Aber auch für Veranstaltungen der Kommunen, privaten Verbänden, Institutionen der freien Wirtschaft und Privatpersonen kann es gemietet werden

 

 

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